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Wir kämpfen weiter!

Liebe Bernbeurerinnen und Bernbeurer,

wenige Tage vor Weihnachten haben wir vom Landratsamt Weilheim-Schongau die Stellungnahme der Regierung von Oberbayern zur Abwägungsmöglichkeit des Landratsamtes hinsichtlich des Abrißantrags für den Schnitzer-Stadel erhalten.

Zunächst ganz kurz zum Inhalt dieser Stellungnahme:

Grundsätzlich sieht auch die Regierung von Oberbayern eine Ermessensentscheidung, d.h. Abwägung zwischen Denkmalschutzbelangen und anderen Belangen als zulässig an. Allerdings müsse ausführlich nachgewiesen werden, dass im Gebäude KEINE anderweitige wirtschaftliche Nutzung möglich ist. Der Nachweis ist u.a. mit detaillierten Kostenbeschreibungen zu führen.

Die Stellungnahme selbst ist noch keine Ablehnung.
Allerdings wurde mir von der Landrätin mitgeteilt, dass Sie ohne entsprechende Gutachten, die eine solche Unmöglichkeit anderer wirtschaftlicher Nutzungen belegen, keinen Ermessensspielraum zur Genehmigung des Abrisses sieht.
So habe ich es auch den Antragstellern übermittelt. Leider konnten wir uns – so wenige Arbeitsstunden vor den Weihnachtstagen – nicht mehr ausführlich untereinander beraten und noch viel weniger fachlich beraten lassen. Aber das ist notwendig, denn die Stellungnahme wirft natürlich etliche Fragen und Ungereimtheiten auf. Unsere Reaktion auf den nun neu geschaffenen Sachverhalt wird auch von der Bewertung aus diesen Beratungen abhängen. Denn wir haben durchaus mehrere Optionen.

Zunächst muss ich aber festhalten, dass ich nach wie vor der Auffassung bin, dass eine politische Entscheidung für einen Abriss sehr wohl im Rahmen des geltenden Rechts möglich ist. Hierfür gibt es sowohl in der jüngeren Vergangenheit Beispiele, die dies belegen.
Uns liegen auch Gerichtsurteile vor, die sehr wohl auch solche Abwägungen zu Gunsten von Eigentümern einfordern. Unterm Strich also eine alles andere als eindeutige Situation.
Anderseits müssen wir es aber auch akzeptieren, wenn die Entscheidungsträger in unserem Landkreis nicht dazu bereit sind, ihren eigenen Gestaltungsspielraum auch auszunutzen. Vielleicht ist es eine subjektive Wahrnehmung, aber ich habe den Eindruck, dass dies eine generelle Linie bei uns ist und andernorts mutiger entschieden wird. Sei es bei Geschwindigkeitsregelungen, Ampelanlagen, Werbeschildern … oder auch bei der „Strabs“. Es scheint, als würde jegliche Aufforderung zur Prüfung – erkennbar im Gesetzes- oder Verordnungstext durch ein „WENN“ – dadurch abgehandelt, dass dieses „WENN“ einfach durch ein „WEIL“ ausgetauscht wird.  

Wenn eine Stellungnahme des Denkmalamtes oder auch der Regierung von Oberbayern eine so unumstößliche Position festlegt – warum gibt es dann überhaupt die Möglichkeiten der Abwägungen durch die Entscheidungsträger vor Ort im Gesetz?
Wir sind  gewählt um zu entscheiden.
Wenn uns dies nicht mehr zugestanden wird: brauchen wir dann überhaupt noch Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte? Oder reichen dann nicht Vollzugsbeamte?

Nein!
Weil immer dann, wenn uns dieses „WENN“ begegnet, ist eine Entscheidung nicht mehr eine rein juristische Entscheidung, die durch eine abgehakte Checkliste getroffen werden kann, sondern wird zu einer politischen Entscheidung. Dies ist es auch – und war es von Anfang an – beim Schnitzer-Stadel.
Somit  stelle ich fest: Bernbeuren mit seinen Zukunftsinteressen wurde politisch gewogen … und für zu leicht empfunden.

Wir haben verstanden!

Welche Alternativen haben wir nun noch?

Zum einen können die Antragsteller nun natürlich diese Gutachten erstellen lassen. Allerdings kann ich hierzu nicht raten. Sicher wird es möglich sein zu belegen, dass ein Nahversorgungsmarkt in einem umgebauten Gebäude nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Ob ein solches Gutachten aber durch das Denkmalamt anerkannt wird? Ich habe, nicht zuletzt mit Blick auf den abgebrannten Bauernhof bei Rottenbuch, hier meine Zweifel. Aber nahezu unmöglich wird es, wenn wir noch andere Nutzungen überprüfen: von einer Wohnbebauung über eine weitere Veranstaltungshalle bis hin zur einfachen Nutzung als Rumpelkammer für alles Mögliche wie bisher. Inwieweit eine solche Nutzung für den Ort dann sinnvoll ist, darauf werde ich später noch näher eingehen.

Lassen die Antragsteller ein solches Gutachten aber nicht erstellen und fordern eine Entscheidung über den Antrag auf den jetzt eingereichten Unterlagen ein, wird es zur Ablehnung kommen.

Aus einem ablehnenden Bescheid ergeben sich nun mehrere Handlungsmöglichkeiten, die ich nur kurz beschreiben möchte. Für eine Entscheidung wird hier noch einiges an Beratung notwendig werden.

1.     Der Klageweg

Gegen den Bescheid können die Antragsteller Rechtsmittel einlegen bzw. vor dem Verwaltungsgericht klagen. Das Ergebnis ist natürlich offen. Allerdings gibt es durchaus Anhaltspunkte, welche die Position der Antragsteller durchaus als günstig bewerten lassen.
Die Gemeinde kann hier nicht unmittelbar mitwirken, aber die Antragsteller unterstützen. Leider ist derzeit mit Wartezeiten von über 1 ½ Jahren zu rechnen, bis es überhaupt zu einem Prozesstermin kommt.

2.     Der „politische“ Weg

Zwar müssen wir akzeptieren, wenn die Landrätin mit dem Verweis auf mutmaßlich dagegenstehende Rechtsnormen die Abrissgenehmigung verweigert.
Aber wir müssen es noch nicht hinnehmen, dass Unsinn auch auf Ewigkeit Unsinn bleiben darf. Deshalb können und werden wir uns auch direkt an den Bayerischen Landtag wenden.
Den ländlichen Raum zukunftsfähig machen!
Das ist eine der politischen Aufgaben, die sich den übergeordneten Entscheidungsträgern in den Landtagen und im Bundestag stellt.
Hierfür gibt es milliardenschwere Förderprogramme, deshalb haben wir entsprechende zustimmende Schreiben aus dem Heimatministerium, wurde der Landesentwicklungsplan geändert, haben wir Zustimmung von Wirtschaftsverbänden und der Wissenschaft.
Nicht ganz allgemein, sondern wirklich bezogen auf UNSEREN Schnitzerstadel.
Wenn nun Rechtsnormen eine solche Entwicklung aber behindern, müssen diese auf den Prüfstand. Das bedeutet nicht, den Denkmalschutz gleich komplett abzuschaffen. Aber eben zu modifizieren, neue – den jetzigen Bedürfnissen angepasste – Prüfgrundlagen festzulegen.

Die Formulierung der Petition wird nicht einfach werden.
Es geht nicht darum festzustellen, ob das Landratsamt in unserem Fall richtig entschieden hat.
Es geht darum grundsätzlich zu entscheiden.

Für uns geht es „NUR“ darum, wie attraktiv Bernbeuren in Zukunft sein wird.
Letztlich geht es aber beim Schnitzer-Stadel tatsächlich bereits um viel mehr:

Stellen wir uns einfach einmal vor, ein Gutachten würde zum Ergebnis kommen, dass ein Umbau des Schnitzerstadels in Wohnraum  wirtschaftlich „zumutbar“ ist. Eine solche Nutzung ist derzeit baurechtlich an dieser Stelle aufgrund unseres Gemeinderatsbeschlusses gar nicht möglich.
Und das ist auch gut so, denn die Wohnungen dort würden sich auf einen künftigen Gaststättenbetrieb negativ auswirken.
Darf ein Denkmalamt dann dermaßen in die verfassungsmäßig garantierte Planungshoheit der Gemeinde eingreifen?
Oder sollen wir neben der Auerberghalle noch eine zweite Großveranstaltungsgelegenheit dort zulassen? Ob durch eine anderweitige Nutzung dann auf Dauer eine Ortsentwicklungschance im wahrsten Sinne des Wortes „verbaut“ wird, scheint gleichfalls in den aktuellen Entscheidungsgrundsätzen nicht bewertet zu werden.

Letztlich stellt sich auch die Frage, ob das Verfassungsrecht auf gleichwertige Lebensverhältnisse nicht beschnitten wird ….

Es wird wohl deutlich: einiges an Bewertungen, die noch vorgenommen werden müssen.
Aber es wird auch klar: bei uns mag es der Nahversorgungsmarkt sein. Woanders ist es vielleicht das neue Feuerwehrhaus, ein Altenheim oder ein Kindergarten.
Einen Erfolg auf politischem Weg werden wir nur haben, wenn wir unseren Unmut und unseren Protest nicht einschlafen lassen sondern weitertragen.

Deshalb müssen wir nicht nur einen Nahversorgungsmarkt für Bernbeuren fordern.

Wir müssen einfordern, dass die Demokratie noch immer über der Bürokratie stehen muss.

Wir müssen einfordern, dass sich eine Verwaltung auch den berechtigten Bedürfnissen der Gesellschaft anpassen muss.

Es ist nicht lächerlich, wenn wir das tun. Nur weil wir „nur 2.400 Einwohner“ sind, stehen uns nicht weniger Rechte zu als den „Wutbürgern“ beim Stuttgart21-Projekt, den Strabs-Gegnern oder vielen anderen Bürgerprotesten.

Unsere Entscheidungen müssen nicht richtig sein. Vielleicht wird man es in ein oder zwei Generationen sehen, ob die Entscheidungen auch wirklich richtig waren. Aber WIR haben dann für UNS entschieden und nicht Andere über unsere Köpfe hinweg entscheiden lassen.

Also haben wir den Mut und kämpfen weiter für unseren Einkaufsmarkt.
Haben wir keine Angst vor verständnislosen und kopfschüttelnden Andersdenkenden – es steht ihnen zu, sofern sie die Situation vor Ort wirklich kennen.

Darum möchte ich Euch alle ermutigen, den Link zu unserer Gemeindeseite und zu Diesem Schreiben zu teilen: über WhatsApp, Facebook und alle weiteren Social Media. An Eure Verwandten, Freunde, Urlaubsgäste und natürlich auch an alle Euch bekannten Politiker.

Und ermuntert sie, es ebenfalls zu teilen.

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Martin Hinterbrandner

Erster Bürgermeister

www.Bernbeuren.de

 

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Folgend und bestens zum Thema passend zwei ausgewählte, sehr aktuelle Links:

1. Die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Steinmeier

E-Mails an Hr. Steinmeier gerne unter: bundespraesidialamt@_we_dont_like_spam_bpra.bund.de oder direkt im Onlineformular des Bundespräsidialamtes.

2. Die Neujahrsansprache der Kanzlerin Angela Merkel

Und wer gleich eine Nachricht an unsere Kanzlerin schicken möchte... hier gehts zum Kontaktformular des Bundeskanzleramtes.

 

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Weihnachtsansprache von Bundespräsident Steinmeier im Wortlaut

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in vielen Orten in unserem Land ist es heute Abend stiller als sonst. Die Ruhe, die zu Weihnachten über das Land kommt, wenn die Geschäfte schließen, der Verkehr auf unseren Straßen weniger wird, Kinder, Eltern oder Großeltern vom Bahnhof abgeholt sind, das ist eine Ruhe, die wir uns auch an anderen Tagen im Jahr wünschen.

Ein Moment außerhalb der Zeit, die uns doch an allen anderen Tagen im Jahr so fest im Griff hat. Ein Augenblick der Stille zwischen den Jahren. Die Christen unter uns verbinden mit dieser Stille den Frieden, den uns die Weihnachtsgeschichte verspricht. Ich wünsche mir diesen Augenblick für Sie, für uns alle, – einen Weihnachtsmoment, den wir aufheben und bewahren können, das ganze Jahr hindurch.

Ich weiß natürlich: wir können die Ruhe nur genießen, wenn sie uns nach dem Trubel erlöst, der ihr vorausgegangen ist. Wir empfinden sie nur dann als tröstlich, wenn wir sie suchen, weil sie nicht selbstverständlich und nicht alltäglich ist. Nun bin ich im zurückliegenden Jahr viel unterwegs gewesen in unserem schönen Land und habe Orte kennengelernt, die alles herbeisehnen – nur keine Stille.

Orte, in denen es schon lange keine Tankstelle oder Lebensmittelgeschäfte mehr gibt, inzwischen auch die Gaststätte geschlossen ist, die Wege zum Arzt immer weiter werden und die letzte Busverbindung eingestellt ist. Solche Orte gibt es zu viele, im Osten wie im Westen unseres Landes. Und aus diesen Orten weiß ich: Es gibt eine Stille, die bedrohlich werden kann. Denn für die, die geblieben sind, ist das Leben schwer geworden!

Und ich kann verstehen, dass die Menschen dort unzufrieden sind, sich sogar abgehängt fühlen. Aber ich habe auch Menschen kennengelernt, die nicht hinnehmen, dass Leere sich breitmacht, – Menschen, die diese Stille wieder mit Leben füllen. Ich denke – stellvertretend für andere – an einen kleinen Ort in Sachsen. Vielen, vor allem jungen Leuten, war es viel zu still geworden. Es sind Leute, die ihre Heimat als einen Ort erhalten, der Gründe gibt, zu bleiben, vielleicht sogar dorthin zurückzukehren. Dort haben mich Bürgerinnen und Bürger und auch ihr Bürgermeister tief beeindruckt.

Wunder wirken können die Menschen auch dort nicht. Das Geld fehlt, wo es andernorts auch fehlt. Aber das hat sie nicht aufgehalten: Deshalb gibt es dort jetzt wieder ein von Freiwilligen betriebenes Café und Treffpunkt dort im Zentrum, ein kleines, als Bürgerinitiative gegründetes Kino, einen von Nachbarn gebauten Spielplatz und Häuser, für die die Gemeinde Sorge trägt, die sie vor dem Verfall schützt und für junge Familien wieder herrichtet. Solche Menschen, die ich in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ebenso getroffen habe wie in Bayern und Niedersachsen, solche Menschen machen Mut – und sie verdienen Ermutigung. Mehr noch: Sie verdienen Unterstützung durch die Politik.

Denn die Beispiele im Kleinen werden wichtig in den großen Zusammenhängen. Sie zeigen uns: Wir sind den Verhältnissen nicht ausgeliefert. Zukunft ist kein Schicksal! Wir können im Großen wie im Kleinen Ohnmacht und Entfremdung überwinden, wenn wir gemeinsam etwas tun, wenn wir nicht nur nach Verantwortung anderer schauen, sondern auch die eigene erkennen. Verantwortung übernehmen, auch für andere, wie Millionen Freiwillige es in Deutschland tun, gibt uns auch das Gefühl zuhause zu sein in diesem Land. Und dafür bin ich allen sehr sehr dankbar.

Ich spreche darüber, weil ich gewiss bin, dass wir Grund haben, zuversichtlich zu sein. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Krisen überwunden und uns erneuert. Wir sind ein Land geblieben, in dem wirtschaftliche Vernunft ebenso wie soziale Gerechtigkeit als Leitprinzipien für Politik gelten. Und wir sind ein Land, das die Kraft und den Willen hat, Zusammenhalt zu bewahren und das Zusammenwachsen weiter zu befördern.

Für beides gibt es weiterhin viel zu tun! Vor fast 30 Jahren war die Weihnachtszeit geprägt von ungläubigem Staunen und Begeisterung über den Fall der Mauer. Das war ein unvergesslicher Moment für uns alle, und für viele begann damals auch eine Zeit der Ungewissheit. Doch zeigt uns die Rückschau nicht, wie lohnend es war, diesem einzigartigen Moment ohne Furcht zu begegnen? Der Mauerfall war kein Weihnachtswunder; er war das Werk mutiger Menschen! Seither ist die Welt um uns herum in Bewegung geraten. Wir leben in einer Zeit, die uns beständig mit Unerwartetem konfrontiert. Sie verunsichert uns auch! Wir sehnen uns nach Beständigkeit, wir sehnen uns nach Gewissheit.

Aber wären wir Menschen nicht auch mutig und offen für das Unerwartete, dann wären schon die Hirten vor Bethlehem auseinander gelaufen. Und schließlich muss nicht alles Unerwartete uns das Fürchten lehren. Das gilt auch für Regierungsbildungen, die in ungewohnter Weise auf sich warten lassen.

Ich versichere Ihnen: Der Staat handelt nach den Regeln, die unsere Verfassung für eine Situation wie diese ausdrücklich vorsieht, auch wenn solche Regeln in den letzten Jahrzehnten nie gebraucht wurden. Deshalb: Wir können Vertrauen haben. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, besonders danken will ich heute denjenigen, die sich um Menschen kümmern, die allein sind, die die Geborgenheit einer Familie vermissen, den Krankenpflegern und -schwestern, aber auch den Polizistinnen und Polizisten, Soldatinnen und Soldaten, allen, die überall dort ihren Dienst tun, wo sie gebraucht werden. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten.

Und ich möchte meinen Weihnachtsgruß auch an die Menschen in unserem Land richten, die nicht in der christlichen Tradition aufgewachsen sind, die einer anderen oder gar keiner Religion angehören. An alle, die heute in unserem Land den besonderen Moment dieses Festes erleben. Lassen Sie uns aufeinander Acht geben! Meine Frau und ich wünschen Ihnen eine friedliche und frohe Weihnachtszeit. (dts)

 

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Neujahrsansprache von Kanzlerin Angela Merkel im Wortlaut

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich grüße Sie herzlich. Ich freue mich über die Gelegenheit, Ihnen auch an diesem Silvestertag einige Gedanken zu sagen, die mich an der Schwelle zum neuen Jahr bewegen. Aus zahlreichen Gesprächen und Begegnungen in diesem Jahr weiß ich, dass sich viele von Ihnen Sorgen über den Zusammenhalt in Deutschland machen. Schon lange gab es darüber nicht mehr so unterschiedliche Meinungen. Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht.

Die einen sagen: Deutschland ist ein wunderbares Land, in dem die Werte unseres Grundgesetzes gelebt werden. Ein Land, das stark und wirtschaftlich erfolgreich ist. In dem noch nie so viele Menschen Arbeit hatten wie heute. Ein Land mit einer weltoffenen und vielfältigen Gesellschaft, mit einem starken Zusammenhalt, in dem sich tagtäglich Millionen Menschen ehrenamtlich für andere engagieren, zum Beispiel im Sport, für Kranke und Schwache oder auch in der Flüchtlingshilfe.

Die anderen sagen: Es gibt zu viele Menschen, die an diesem Erfolg nicht teilhaben. Die nicht mit dem Tempo unserer Zeit mitkommen. Die sehen, dass es ihre Kinder in die Großstädte zieht und sie allein bleiben, in Gebieten, in denen vom Einkauf bis zum Arztbesuch der Alltag immer schwieriger wird. Die sich sorgen, dass es zu viel Kriminalität und Gewalt gibt. Die sich fragen, wie wir die Zuwanderung in unser Land ordnen und steuern können.

Beides sind Realitäten in unserem Land: der Erfolg und die Zuversicht, aber auch die Ängste und die Zweifel. Für mich ist beides Ansporn. Denn Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, haben uns Politikern den Auftrag gegeben, uns um die Herausforderungen der Zukunft zu kümmern und dabei die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger im Auge zu haben. Diesem Auftrag fühle ich mich verpflichtet – auch und gerade bei der Arbeit daran, für Deutschland im neuen Jahr zügig eine stabile Regierung zu bilden.

Denn die Welt wartet nicht auf uns. Wir müssen jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es Deutschland auch in 10, 15 Jahren gut geht. Und wirklich gut geht es Deutschland, wenn der Erfolg allen Menschen dient und unser Leben verbessert und bereichert. Dabei kann der Leitgedanke der Sozialen Marktwirtschaft, dass wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Zusammenhalt zwei Seiten einer Medaille sind, auch in der Zeit des digitalen Fortschritts unser Kompass sein.

Das bedeutet zum einen:

– bestehende Arbeitsplätze zu sichern wie auch ganz neue Jobs für die Zukunft zu schaffen,

– die Unternehmen noch mehr bei Forschung und Entwicklung in innovative Technologien zu unterstützen,

– den Staat zum digitalen Vorreiter zu machen,

– und vor allem uns und unsere Kinder mit bester Bildung und Weiterbildung auf den digitalen Fortschritt vorzubereiten.

Und das heißt zum anderen:

– die Familien in den Mittelpunkt zu stellen, sie finanziell zu entlasten, damit sie Familienleben und Beruf noch besser vereinbaren können,

– eine gute und würdevolle Pflege zu ermöglichen, indem wir die Pflegeberufe stärken und die Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, noch besser unterstützen,

– und – nicht zuletzt – für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen unseres Landes zu sorgen – ganz gleich ob in der Stadt oder auf dem Land.

Und wir werden noch mehr in einen starken Staat investieren müssen, der die Regeln unseres Zusammenlebens verteidigt und für Ihre Sicherheit – für unser aller Sicherheit – sorgt.

Ich danke deshalb an dieser Stelle ganz besonders den Polizistinnen und Polizisten, die auch heute Abend für uns da sind und zum Beispiel die vielen Silvesterfeiern im Land schützen, wie auch den Soldatinnen und Soldaten, die hierzulande oder in den Auslandseinsätzen ihren Dienst für unser Land tun.

Die Zukunft Deutschlands ist bei all dem untrennbar mit der Zukunft Europas verbunden. 27 Staaten in Europa müssen stärker denn je dazu bewogen werden, als eine Gemeinschaft zusammenzuhalten. Das wird die entscheidende Frage der nächsten Jahre sein.

Es wird darum gehen, ob wir Europäer in der globalen und digitalen Welt unsere Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten, ob wir so auch für ein wirtschaftlich erfolgreiches und gerechtes Europa arbeiten und konsequent für den Schutz unserer Außengrenzen wie auch die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eintreten.

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam dafür arbeiten, dass das gelingt, und so dazu beitragen, Europa für die Zukunft fit zu machen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Ringen um richtige Antworten gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wir sind – im besten Sinne – eine vielstimmige Gesellschaft. Zugleich einen uns die Werte unseres Grundgesetzes: also die Achtung vor der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen und seiner Freiheitsrechte.

Dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne – aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen – , das sind meine Wünsche für das neue Jahr.

Und Ihnen und Ihren Familien wünsche ich Gesundheit, Kraft, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr 2018.

 

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Kontakt zum Heimatministerium

Selbst das Heimatministerium hat sich folgendes auf die Fahne geschrieben:

Gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Freistaat

Landesentwicklung und Breitbandausbau – das sind die zentralen Aufgaben des Heimatministeriums in Nürnberg.

Wer es nicht ohnehin schon getan hat, kann sich gerne direkt an Dr. Markus Söder, MdL (Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat) wenden.

Seine E-Mail-Adresse lautet: minister@_we_dont_like_spam_stmflh.bayern.de

E-Mails zum Thema "Schnitzer-Stadel" dürfen auch gerne direkt oder in Kopie an Staatssekretär Albert Füracker versendet werden.

Seine E-Mail-Adresse lautet: st-fueracker@_we_dont_like_spam_stmflh.bayern.de

Jede einzelne E-Mail zählt!

 

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